Pokergewinne und Steuern
Muss man Pokergewinne versteuern? Hobby oder Gewerbe nach BFH-Rechtsprechung in Deutschland, dazu die Rechtslage in Österreich und der Schweiz.
Auf einen Blick
In Deutschland bleiben Pokergewinne von Hobbyspielern nach geltender Rechtslage steuerfrei. Wer Poker planmäßig und mit großem Zeit- und Geldeinsatz wie ein Gewerbe betreibt, kann laut Bundesfinanzhof Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielen. In Österreich und bei bewilligten Spielen in der Schweiz sind Gewinne für Freizeitspieler in der Regel steuerfrei. Im Einzelfall entscheidet das Finanzamt.
Hinweis: Diese Seite erklärt die Rechtslage allgemein und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Stand: 18.10.2026. Im Einzelfall entscheiden Behörden und Gerichte.
Ein Deep Run im Main Event, ein guter Monat am Cash-Game-Tisch: Irgendwann stellt sich die Frage, ob das Finanzamt mitverdient. Die kurze Antwort für Deutschland lautet: als Hobbyspieler in der Regel nicht, als Spieler mit gewerblichem Zuschnitt unter Umständen schon. Diese Seite fasst die Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen.
Wichtig: Das hier ist eine allgemeine Information und keine Steuerberatung. Steuerliche Fragen hängen immer vom Einzelfall ab. Ob deine Gewinne steuerpflichtig sind, entscheidet das Finanzamt, im Streitfall das Finanzgericht. Für eine verbindliche Einschätzung wende dich an eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater.
Deutschland: Hobby bleibt steuerfrei
Das Einkommensteuergesetz besteuert nur Einkünfte, die unter eine der sieben Einkunftsarten in § 2 Abs. 1 EStG fallen. Glücksspielgewinne gehören nicht dazu. Wer Poker in der Freizeit spielt, muss Gewinne deshalb nach geltender Rechtslage nicht versteuern. Umgekehrt kann er Verluste auch nicht absetzen.
Das gilt unabhängig davon, ob du live im Casino oder online spielst. Der Bundesfinanzhof (BFH) stellt in seiner Pressemitteilung zum Urteil X R 8/21 ausdrücklich klar: Bei Hobbyspielern bleiben Gewinne und Verluste steuerlich ohne Folgen.
Nicht verwechseln: Die Online-Pokersteuer von 5,3 % nach dem Rennwett- und Lotteriegesetz zahlt der Veranstalter (§ 49 RennwLottG). Sie hat mit deiner Einkommensteuer nichts zu tun.
Deutschland: Wann Poker zum Gewerbe wird
Schwieriger wird es, wenn Poker mehr ist als ein Hobby. Der BFH hat in drei Urteilen entschieden, dass Pokergewinne als Einkünfte aus Gewerbebetrieb nach § 15 EStG steuerpflichtig sein können:
| Urteil | Datum | Kern |
|---|---|---|
| X R 43/12 | 16.09.2015 | Gewinne aus Pokerturnieren können gewerblich sein. Turnierpoker ist steuerlich eine Mischung aus Glück und Geschick. |
| X R 8/21 | 22.02.2023 | Das gilt auch für Online-Poker (Texas Hold’em, Cash Game). Der Raum mit dem Computer kann eine Betriebsstätte sein, damit fällt auch Gewerbesteuer an. |
| X R 26/21 | 02.04.2025 | Auch Online-Poker in der Variante Pot Limit Omaha kann unter besonderen Voraussetzungen gewerblich sein. |
Der Grund: Steuerlich behandelt der BFH Poker nicht als reines Glücksspiel, weil Geschick eine Rolle spielt. Bei reinen Glücksspielen hängt das Ergebnis allein vom Zufall ab. Beim Poker kann ein Spieler dagegen durch Können, Erfahrung und Disziplin über längere Zeit einen Vorteil erzielen. Wer dauerhaft gewinnt und das planmäßig betreibt, kann deshalb wie ein Gewerbetreibender behandelt werden.
Zur Einordnung des Online-Urteils X R 8/21: Laut BFH ging es um einen Spieler, der von 2009 bis 2013 Cash Games auf mehreren Online-Portalen spielte. Das Finanzgericht Münster hatte seine Tätigkeit ab Oktober 2009 als gewerblich eingestuft. Der BFH bestätigte das. Dass sich Online-Spieler nicht persönlich gegenüberstehen, ändert an der Bewertung laut BFH nichts.
Eine feste Grenze, etwa in Euro oder Stunden, gibt es nicht. Der BFH prüft im Einzelfall, ob der Rahmen einer privaten Freizeitbeschäftigung überschritten ist und es dem Spieler darum geht, Einkünfte zu erzielen. Dafür schaut er unter anderem auf:
- planmäßiges, systematisches Vorgehen,
- das Ausnutzen eines Marktes, ähnlich wie bei einem Gewerbetreibenden,
- den Umfang des eingesetzten Geldes und der eingesetzten Zeit.
Beim Online-Poker hat der BFH im Urteil X R 26/21 weitere Anhaltspunkte genannt: die Zahl der Spiele, das Spielen an mehreren Tischen gleichzeitig, die Nutzung mehrerer Portale und Konten sowie steigende Einsätze und steigender Zeitaufwand. Öffentliche Auftritte und Werbung haben online weniger Gewicht, weil viele Spieler anonym bleiben.
Stuft das Finanzamt die Tätigkeit als gewerblich ein, zählen Gewinne und Verluste. Dazu kann Gewerbesteuer kommen. Wer in diese Richtung spielt, sollte das früh mit einer Steuerberatung klären, weil das Finanzamt auch für mehrere Jahre rückwirkend prüfen kann.
Österreich
In Österreich gilt ebenfalls: Das Einkommensteuergesetz kennt sieben Einkunftsarten, und Glücksspielgewinne von Freizeitspielern fallen in der Regel unter keine davon. Gewinne sind für sie deshalb im Normalfall nicht einkommensteuerpflichtig. Die Besteuerung erfolgt beim Anbieter: Konzessionäre und Anbieter zahlen Glücksspielabgaben nach dem Glücksspielgesetz.
Ob ein Berufsspieler in Österreich gewerbliche Einkünfte erzielt, ist weniger eindeutig. Eine höchstgerichtliche Entscheidung, die das für Poker klar beantwortet, haben wir bei unserer Recherche nicht gefunden. Wer in Österreich in größerem Umfang spielt, sollte die Frage mit einer Steuerberatung klären.
Schweiz
Die Schweiz regelt die Steuerfreiheit seit dem Geldspielgesetz (BGS, in Kraft seit 01.01.2019) ausdrücklich. Laut den Erläuterungen der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) gilt:
- Spielbanken vor Ort: Gewinne in Schweizer Casinos sind steuerfrei, sofern sie nicht aus selbstständiger Erwerbstätigkeit stammen.
- Online-Spielbankenspiele bei bewilligten Schweizer Anbietern: Gewinne sind bis zu einem Freibetrag steuerfrei. Für Gewinne ab dem 01.01.2026 liegt er bei 1.071.000 CHF pro Gewinn. Bei Einführung 2019 waren es 1.000.000 CHF, seitdem wird der Betrag an die Teuerung angepasst.
- Kleine Pokerturniere: Turniere außerhalb der Casinos können als Kleinspiele mit kantonaler Bewilligung stattfinden. Gewinne daraus sind steuerfrei, wenn die kantonale Behörde das Turnier bewilligt hat.
- Unbewilligte und ausländische Angebote: Die Steuerfreiheit gilt nur für bewilligte Spiele. Gewinne aus unbewilligten Spielen unterliegen laut ESTV der Verrechnungssteuer. Für Gewinne bei ausländischen Anbietern gelten die allgemeinen Regeln der Einkommensteuer.
Fragen zur Einkommensteuer beantworten in der Schweiz die kantonalen Steuerbehörden.
DACH im Vergleich
| Deutschland | Österreich | Schweiz | |
|---|---|---|---|
| Freizeitspieler | Gewinne steuerfrei, Verluste nicht absetzbar | Gewinne in der Regel steuerfrei | Gewinne bei bewilligten Spielen steuerfrei (online bis 1.071.000 CHF pro Gewinn) |
| Berufsspieler | Einkünfte aus Gewerbebetrieb möglich, dazu Gewerbesteuer (BFH) | nicht höchstgerichtlich geklärt | steuerpflichtig, wenn Gewinne aus selbstständiger Erwerbstätigkeit stammen |
| Steuer beim Anbieter | 5,3 % Online-Pokersteuer auf Einsätze | Glücksspielabgaben nach GSpG | Spielbankenabgabe |
| Unerlaubte oder ausländische Anbieter | keine eigene Regel, BFH-Kriterien gelten unabhängig vom Anbieter | keine eigene Regel | keine Steuerfreiheit, Gewinne aus unbewilligten Spielen unterliegen der Verrechnungssteuer |
Die Tabelle vereinfacht. Im Einzelfall entscheiden die Steuerbehörden.
Was wir nicht wissen
- Wie Finanzämter in Deutschland die BFH-Kriterien im Alltag anwenden, ist nicht öffentlich dokumentiert. Es gibt keine Verwaltungsanweisung mit konkreten Schwellenwerten.
- Für Österreich fehlt uns eine klare höchstgerichtliche Aussage zu Berufspokerspielern.
Sobald sich an der Rechtslage etwas ändert, aktualisieren wir diese Seite und vermerken die Änderung mit Datum.
Poker ist für die allermeisten Spieler kein Einkommen. Gewinne gibt es nur mit Varianz und Verlusten. Wenn du merkst, dass du Verluste aufholen willst: Hilfe findest du auf Verantwortungsvoll spielen.
Häufige Fragen
Muss ich Pokergewinne in Deutschland versteuern?
Als Hobbyspieler nach geltender Rechtslage nicht. Glücksspielgewinne gehören zu keiner der sieben Einkunftsarten des Einkommensteuergesetzes. Anders kann es sein, wenn du Poker so betreibst, dass das Finanzamt es als Gewerbe einstuft. Im Einzelfall entscheiden Finanzamt und Finanzgericht.
Ab wann gilt Poker als Gewerbe?
Eine feste Grenze in Euro gibt es nicht. Der Bundesfinanzhof stellt auf eine Gesamtschau ab: planmäßiges Vorgehen, Ausnutzen eines Marktes, Umfang des eingesetzten Geldes und der Zeit. Beim Online-Poker nennt er zum Beispiel die Zahl der Spiele, Multi-Tabling, mehrere Portale und steigende Einsätze.
Gilt das auch für Online-Poker?
Ja. Mit Urteil vom 22.02.2023 (X R 8/21) hat der BFH entschieden, dass auch Gewinne aus Online-Poker als Einkünfte aus Gewerbebetrieb steuerpflichtig sein können. Mit Urteil vom 02.04.2025 (X R 26/21) hat er das auf Pot Limit Omaha übertragen.
Kann ich als Hobbyspieler Verluste von der Steuer absetzen?
Nein. Wenn Gewinne steuerlich keine Rolle spielen, gilt das auch für Verluste. Nur bei einer gewerblichen Tätigkeit werden Gewinne und Verluste steuerlich berücksichtigt.
Sind Pokergewinne in Österreich steuerfrei?
Für Freizeitspieler gelten Glücksspielgewinne in Österreich in der Regel nicht als steuerpflichtiges Einkommen. Besteuert werden die Anbieter über Glücksspielabgaben. Für Berufsspieler ist die Lage weniger klar. Hier hilft nur eine Steuerberatung.
Wie hoch ist der steuerfreie Betrag in der Schweiz?
Gewinne in Schweizer Spielbanken sind steuerfrei, sofern sie nicht aus selbstständiger Erwerbstätigkeit stammen. Gewinne aus bewilligten Online-Spielbankenspielen sind laut ESTV für Gewinne ab 01.01.2026 bis 1.071.000 CHF steuerfrei. Der Betrag wird jährlich an die Teuerung angepasst.
Quellen
- Einkommensteuergesetz, § 2 Umfang der Besteuerung, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de)Primärquelle
- Einkommensteuergesetz, § 15 Einkünfte aus Gewerbebetrieb, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de)Primärquelle
- Pressemitteilung 031/23: Auch Gewinne aus dem Online-Pokerspiel können der Einkommensteuer unterliegen (zu X R 8/21), Bundesfinanzhof, 2023-06-29Primärquelle
- Urteil vom 02.04.2025, X R 26/21 (Pot Limit Omaha), Bundesfinanzhof, 2025-04-02Primärquelle
- BFH, Urteil vom 16.09.2015, X R 43/12 (Turnierpoker), lexetius.com, 2015-09-16
- Rennwett- und Lotteriegesetz, § 49 Steuerschuldner Online-Poker, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de)Primärquelle
- Formular GSp 50a: Glücksspielabgaben nach dem Glücksspielgesetz, Bundesministerium für Finanzen, ÖsterreichPrimärquelle
- Verrechnungssteuer auf Geldspielgewinnen, Erläuterungen 2026, Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV)Primärquelle
- Geldspielgesetz (BGS), Bundesamt für Justiz, SchweizPrimärquelle
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