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♣ REGELN

Texas Hold'em Regeln

Texas Hold'em Schritt für Schritt: Blinds, Button, vier Setzrunden, Showdown, Split Pot und Side Pots mit Rechenbeispiel. Dazu typische Fehler.

Von Stand 8 Min. Lesezeit

Auf einen Blick

Beim Texas Hold'em bekommt jeder Spieler zwei verdeckte Karten, fünf Gemeinschaftskarten liegen offen in der Mitte. Es gibt vier Setzrunden: Preflop, Flop, Turn und River. Wer am Ende die beste Fünf-Karten-Hand aus seinen sieben Karten hat oder als Letzter übrig bleibt, gewinnt den Pot.

Das Spiel in einem Satz

Du bekommst zwei verdeckte Karten, in der Tischmitte erscheinen nach und nach fünf offene Gemeinschaftskarten, und nach jeder Kartenausgabe wird gesetzt. Gewonnen hat, wer am Ende die beste Fünf-Karten-Hand bildet oder als Einziger nicht ausgestiegen ist. Welche Hand welche schlägt, steht auf der Seite Pokerhände.

Was du brauchst

  • Ein Deck mit 52 Karten ohne Joker
  • Chips für alle Spieler (wie viele, zeigt dir unser Chips-Rechner)
  • Einen Dealer-Button, also eine Scheibe, die die Geberposition markiert
  • 2 bis 10 Spieler; ideal sind 6 bis 9

Button und Blinds

Der Dealer-Button zeigt, wer in dieser Hand nominell gibt. Im Casino teilt ein angestellter Dealer aus, der Button wandert trotzdem mit. Nach jeder Hand rückt er einen Platz im Uhrzeigersinn weiter. Wer den Button hat, handelt ab dem Flop als Letzter und hat damit die beste Position am Tisch.

Links vom Button sitzen die beiden Pflichteinsätze:

  • Small Blind: der erste Spieler links vom Button. Er setzt vor dem Austeilen meist die Hälfte des Big Blinds.
  • Big Blind: der zweite Spieler links vom Button. Sein Einsatz bestimmt die Mindesteinsatzhöhe der Hand.

Die Höhe der Blinds gibt dem Spiel den Namen. „1/2 €“ heißt: Small Blind 1 €, Big Blind 2 €. In Turnieren steigen die Blinds in festen Zeitabständen, im Cash Game bleiben sie gleich. Bei vielen Turnieren kommt eine Ante dazu, heute meist als Big Blind Ante, die der Big Blind für den ganzen Tisch zahlt.

Sonderfall Heads-Up: Sind nur noch zwei Spieler übrig, zahlt der Button den Small Blind, der Gegner den Big Blind. So steht es sowohl in der deutschsprachigen Wikipedia als auch in Robert’s Rules of Poker.

Die vier Setzrunden

Runde Was passiert vorher Neue Karten Wer beginnt
Preflop Blinds werden gesetzt, jeder erhält 2 Hole Cards 2 verdeckte pro Spieler Spieler links vom Big Blind (Under the Gun)
Flop Eine Karte wird verbrannt 3 Gemeinschaftskarten Erster aktiver Spieler links vom Button
Turn Eine Karte wird verbrannt 1 Gemeinschaftskarte Erster aktiver Spieler links vom Button
River Eine Karte wird verbrannt 1 Gemeinschaftskarte Erster aktiver Spieler links vom Button

Vor Flop, Turn und River legt der Dealer jeweils die oberste Karte verdeckt beiseite (Burn Card). Das verhindert, dass jemand eine versehentlich sichtbare oberste Karte ausnutzt.

Preflop

Der Dealer gibt reihum im Uhrzeigersinn, beginnend beim Small Blind, jedem Spieler eine Karte und dann eine zweite. Danach beginnt die erste Setzrunde beim Spieler links vom Big Blind. Weil die Blinds schon einen Einsatz darstellen, kann preflop niemand checken außer dem Big Blind selbst, wenn alle anderen nur mitgegangen sind. Er hat dann die Option, zu checken oder zu erhöhen.

Flop, Turn und River

Auf dem Flop kommen drei Karten gleichzeitig, auf Turn und River jeweils eine. Ab dem Flop eröffnet der erste noch aktive Spieler links vom Button die Runde. Setzt niemand, gehen alle mit einem Check zur nächsten Karte. Die Setzrunde endet, sobald alle aktiven Spieler gleich viel eingezahlt haben oder nur noch einer übrig ist.

Die Aktionen im Detail

  • Check: Du verzichtest auf einen Einsatz und gibst das Wort weiter. Nur möglich, wenn in dieser Runde noch niemand gesetzt hat.
  • Bet: Du setzt als Erster in dieser Runde. Im No Limit mindestens einen Big Blind.
  • Call: Du gleichst den aktuellen Einsatz aus.
  • Raise: Du erhöhst den aktuellen Einsatz. Ein Check-Raise, also erst schieben und nach einem Einsatz des Gegners erhöhen, ist erlaubt.
  • Fold: Du legst deine Karten ab und bist aus der Hand.
  • All-in: Du setzt alle deine Chips. Mehr als du vor dir liegen hast, kannst du nicht verlieren, und mehr als du abdeckst, kannst du nicht gewinnen.

Am Live-Tisch gilt: Was du laut ansagst, ist bindend. Sagst du „Raise“, musst du erhöhen, auch wenn du danach zögerst.

Die Min-Raise-Regel

Im No Limit gibt es keine Obergrenze, aber eine Untergrenze. Ein Raise muss laut TDA-Regelwerk und Robert’s Rules mindestens so groß sein wie der letzte Einsatz oder die letzte Erhöhung in derselben Setzrunde.

Beispiel bei Blinds 1/2 €:

  1. Spieler A erhöht auf 6 €. Die Erhöhung beträgt 4 € (von 2 € auf 6 €).
  2. Spieler B will re-raisen. Er muss um mindestens 4 € erhöhen, also auf mindestens 10 €.
  3. Spieler B erhöht auf 20 €, die Erhöhung beträgt 14 €. Ein weiterer Raise muss jetzt auf mindestens 34 € gehen.

Kurzes All-in: Geht ein Spieler mit weniger als einem vollen Raise all-in, öffnet das die Setzrunde für Spieler, die bereits gehandelt haben, nicht wieder. Sie dürfen nur mitgehen oder aussteigen. Wer noch nicht gehandelt hat, darf normal erhöhen.

Die 50-Prozent-Regel: Schiebst du ohne Ansage mehr als einen Call, aber weniger als einen Min-Raise in die Mitte, entscheidet die Höhe. Nach den TDA-Regeln wird ein Betrag ab 50 Prozent der nötigen Erhöhung zum vollen Min-Raise ergänzt, darunter gilt er als Call. Sag deshalb immer an, was du vorhast.

Showdown: Wer zeigt zuerst

Sind nach dem River noch mindestens zwei Spieler dabei, kommt es zum Showdown:

  1. Hat jemand auf dem River gesetzt oder erhöht, zeigt der letzte Aggressor zuerst.
  2. Wurde auf dem River nur gecheckt, zeigt der erste aktive Spieler links vom Button zuerst, danach geht es im Uhrzeigersinn weiter.
  3. Wer sieht, dass er verloren hat, darf seine Karten verdeckt abwerfen (mucken). Er verliert damit jeden Anspruch auf den Pot.
  4. Ist ein Spieler all-in und kann niemand mehr setzen, werden laut TDA sofort alle Hände offen auf den Tisch gelegt, bevor die restlichen Karten kommen.

Ein wichtiger Grundsatz im Casino: Die Karten sprechen. Ruft jemand seine Hand falsch aus, zählt, was tatsächlich auf dem Tisch liegt. Deshalb solltest du eine gewinnende Hand nie wegwerfen, bevor der Dealer den Pot zugeteilt hat.

Split Pot

Haben zwei oder mehr Spieler exakt gleich starke Fünf-Karten-Hände, wird der Pot zu gleichen Teilen geteilt. Die Farbe spielt dabei keine Rolle. Ein typischer Fall: Das Board zeigt A♠ K♦ Q♣ J♥ 10♠. Jeder Spieler hat damit eine Straße bis zum Ass, und alle verbliebenen Spieler teilen. Bleibt beim Teilen ein Chip übrig, geht er nach Robert’s Rules an den ersten Gewinner links vom Button.

Side Pots mit Rechenbeispiel

Side Pots entstehen, wenn ein Spieler all-in ist und andere mehr setzen, als er abdecken kann. Der all-in-Spieler kann nur den Teil gewinnen, den er selbst von jedem Gegner abgedeckt hat. Die Pots werden getrennt ausgezahlt und nie vermischt.

Ausgangslage (Blinds ignoriert):

Spieler Stack vor der Hand Aktion
Anna 100 € all-in
Ben 300 € all-in
Can 500 € callt 300 €

So wird gerechnet:

  1. Hauptpot: Der kleinste Stack ist Annas 100 €. Jeder der drei zahlt 100 € in den Hauptpot: 3 × 100 € = 300 €. Um diesen Pot spielen alle drei.
  2. Side Pot 1: Ben und Can haben je 200 € mehr gesetzt. 2 × 200 € = 400 €. Um diesen Pot spielen nur Ben und Can.
  3. Rest: Can hatte zwar 500 €, musste aber nur 300 € setzen, um Ben abzudecken. Seine übrigen 200 € bleiben bei ihm.

Auflösung: Hat Anna die beste Hand, gewinnt sie die 300 € im Hauptpot. Den Side Pot über 400 € bekommt der Bessere aus Ben und Can. Hat Ben die beste Hand, gewinnt er beide Pots, also 700 €. Hat Can die beste Hand, gewinnt er ebenfalls beide.

Laut Robert’s Rules zeigen beim Showdown zuerst die Spieler, die um den Side Pot spielen, danach der Spieler, der nur am Hauptpot beteiligt ist.

Eine Beispielhand von Anfang bis Ende

Sechs Spieler, Blinds 1/2 €. Du sitzt am Button mit K♠ Q♠.

  • Preflop: Zwei Spieler folden, der Spieler im Cutoff geht für 2 € mit. Du erhöhst auf 8 €. Small Blind foldet, Big Blind und Cutoff gehen mit. Im Pot: 1 € + 3 × 8 € = 25 €.
  • Flop K♦ 7♠ 2♠: Beide checken zu dir. Du hast ein Top-Paar und einen Flush-Draw und setzt 15 €. Der Big Blind foldet, der Cutoff callt. Pot: 55 €.
  • Turn 4♥: Der Cutoff checkt, du setzt 35 €, er callt. Pot: 125 €.
  • River J♠: Du hast jetzt einen Flush mit König hoch. Der Cutoff setzt 60 €, du erhöhst auf 180 €, er geht mit.
  • Showdown: Du hast auf dem River zuletzt erhöht und zeigst deshalb zuerst. Er hat K♣ 7♦ (zwei Paare) und verliert gegen deinen Flush.

Typische Anfängerfehler

  • Den Small Blind vergessen: Prüf vor jeder Hand, wo der Button liegt und wer zahlt.
  • Hole Cards zu sehr verwenden wollen: Beim Hold’em zählt die beste Fünf-Karten-Kombination, egal wie viele deiner Karten dabei sind.
  • Gewinnhand zu früh abwerfen: Lass die Karten offen liegen, bis der Dealer den Pot zuteilt.
  • String Bet: Erst einen Teil der Chips schieben und dann ohne Ansage nachlegen ist am Live-Tisch nicht erlaubt. Sag deinen Betrag an oder schieb ihn in einer Bewegung.
  • Außer der Reihe handeln: Wer vorzeitig foldet oder setzt, gibt anderen Informationen. Im Turnier kann das bestraft werden, und die Aktion kann bindend sein.
  • Zu viele Hände spielen: Eine Faustregel für Einsteiger lautet, dass du aus früher Position deutlich weniger Hände spielst als vom Button.

Etikette am Live-Tisch

  • Halte deine Karten sichtbar auf dem Tisch und schütze sie mit einem Chip oder Kartenschutz.
  • Sprich während einer laufenden Hand nicht über deine oder fremde Karten. Laut TDA gilt „one player to a hand“: Jede Hand wird von genau einem Spieler gespielt, ohne Tipps von außen.
  • Leg dein Handy weg, solange du in einer Hand bist. Die TDA-Regeln von 2024 verbieten zusätzlich Strategiehilfen am Tisch.
  • Sortier deine Chips so, dass höhere Werte gut zu erkennen sind.
  • Wirf Chips nicht in den Pot (splashing), sondern leg sie vor dich.
  • Trinkgeld für den Dealer nach einem gewonnenen Pot ist in vielen Casinos üblich, aber keine Pflicht.

Weiterlesen

Alle Varianten und Setzstrukturen im Vergleich findest du im Regel-Hub. Wie Turniere ablaufen, erklären die Turnierregeln. Unbekannte Begriffe schlägst du im Lexikon nach. Und wenn du um Geld spielst: Setz dir vorher ein Limit, mehr dazu unter Verantwortungsvoll spielen.

Häufige Fragen

Wer fängt beim Texas Hold'em an?

Vor dem Flop handelt zuerst der Spieler links vom Big Blind, diese Position heißt Under the Gun. Ab dem Flop beginnt der erste noch aktive Spieler links vom Button, meistens also der Small Blind.

Muss ich beide Karten aus meiner Hand verwenden?

Nein. Beim Texas Hold'em nimmst du die besten fünf aus sieben Karten, egal ob du zwei, eine oder keine deiner Hole Cards verwendest. Ergibt das Board allein die beste Hand, spielst du das Board und teilst mit allen, die nichts Besseres haben.

Wie hoch muss ein Raise im No Limit Hold'em mindestens sein?

Ein Raise muss mindestens so groß sein wie der letzte Einsatz oder die letzte Erhöhung in derselben Setzrunde. Bei Blinds von 1/2 € und einem Raise auf 6 € (Erhöhung um 4 €) muss der nächste Re-Raise also auf mindestens 10 € gehen.

Wer muss beim Showdown zuerst seine Karten zeigen?

Der Spieler, der in der letzten Setzrunde zuletzt gesetzt oder erhöht hat. Wurde auf dem River nur gecheckt, zeigt der erste aktive Spieler links vom Button zuerst. Sobald ein Spieler all-in ist und keine weiteren Einsätze möglich sind, werden alle Hände sofort aufgedeckt.

Was passiert mit einem ungeraden Chip beim Split Pot?

Nach Robert's Rules of Poker bekommt bei Spielen mit Button die erste Hand links vom Button den übrigen Chip. Viele Casinos regeln das in ihren Hausregeln genauso.

Wie funktionieren die Blinds im Heads-Up?

Spielen nur noch zwei Personen, zahlt der Button den Small Blind und der andere Spieler den Big Blind. Der Button handelt vor dem Flop zuerst und ab dem Flop zuletzt.

Quellen

  1. Texas Hold'em, Wikipedia (de)
  2. Robert's Rules of Poker (Version 13), Robert Ciaffone / Poker MavensPrimärquelle
  3. Poker TDA Rules (Version 2015, Volltext), Poker Tournament Directors Association / homepokertourney.orgPrimärquelle
  4. Betting in poker, Wikipedia (en)

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