Poker Turnierregeln
So funktionieren Pokerturniere: Buy-in und Gebühr, Startstack, Blind-Levels, Re-entry, Bubble, Final Table, Deals und die wichtigsten TDA-Regeln.
Auf einen Blick
Bei einem Pokerturnier zahlen alle einen festen Buy-in und bekommen gleich viele Turnierchips. Die Blinds steigen in festen Levels, bis ein Spieler alle Chips hat. Bezahlt werden meist die besten 10 bis 15 Prozent des Feldes. Die meisten Veranstalter richten sich nach dem Regelwerk der Tournament Directors Association (TDA).
Das Prinzip
Ein Turnier funktioniert anders als ein Cash Game. Alle Teilnehmer zahlen denselben Betrag und bekommen dafür gleich viele Turnierchips. Diese Chips haben keinen direkten Geldwert. Weil die Blinds regelmäßig steigen, wird der Druck immer größer, bis ein Spieler alle Chips gewonnen hat. Das Preisgeld richtet sich nach der Platzierung. Die Kartenregeln bleiben dieselben, meist wird Texas Hold’em No Limit gespielt.
Buy-in und Gebühr
Der Buy-in setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem Betrag, der in den Preispool fließt, und der Gebühr (Fee oder Rake) für den Veranstalter. In Ausschreibungen steht das oft als „200 € + 20 €“ oder als Gesamtbetrag „220 €“ mit separat ausgewiesener Gebühr. Bei manchen Turnieren gibt es eine Garantie: Der Veranstalter sichert einen Mindestpreispool zu und legt Geld drauf, falls zu wenige Spieler kommen.
Startstack und Blind-Levels
Jeder Spieler startet mit demselben Stack, etwa 20.000 oder 50.000 Chips. Entscheidender als die absolute Zahl ist, wie viele Big Blinds das sind. Ein Startstack von 100 Big Blinds oder mehr gilt als tief (Deepstack), unter 50 Big Blinds wird es schnell hektisch.
Die Blinds steigen nach einem festen Zeitplan, der Struktur. Ein Level dauert bei Live-Turnieren typischerweise 20 bis 60 Minuten. Laut den TDA-Regeln von 2024 beginnt ein neues Level mit der Ansage der Turnierleitung oder dem Signal der Turnieruhr. Läuft eine Hand bereits, wird sie mit den alten Blinds zu Ende gespielt.
Heute zahlt meist der Big Blind die Ante für den ganzen Tisch (Big Blind Ante). Die TDA empfiehlt dafür seit 2024 die Regel „Big Blind zuerst“: Kann ein Short Stack nicht beides bezahlen, geht sein Geld zuerst in den Big Blind.
Ein Beispiel für eine Struktur zum Selbstspielen findest du bei der Chips-Verteilung.
Late Registration, Re-entry und Rebuy
| Begriff | Was es bedeutet |
|---|---|
| Late Registration | Du darfst dich noch nach dem Start anmelden, meist bis zum Ende eines bestimmten Levels |
| Freezeout | Wer alle Chips verliert, ist raus. Kein Nachkaufen |
| Re-entry | Nach dem Ausscheiden darfst du dich neu anmelden, bekommst einen neuen Platz und einen frischen Startstack |
| Rebuy | Du kaufst am selben Platz Chips nach, oft nur, wenn dein Stack unter einen Wert fällt |
| Add-on | Einmaliger Chip-Nachkauf für alle, meist am Ende der Rebuy-Phase |
Wie oft du wieder einsteigen darfst, steht in der Ausschreibung. Bei großen Festivals ist „unlimited Re-entry“ bis zum Ende der Late Registration verbreitet.
Bubble, ITM und Final Table
- Bubble: Der letzte Platz vor dem Preisgeld. Wer hier ausscheidet, geht leer aus. Kurz vor der Bubble wird oft hand-for-hand gespielt: Alle Tische beginnen jede Hand gleichzeitig, damit niemand durch langsames Spielen Plätze gewinnt. Laut TDA 2024 werden dabei pro Hand drei Minuten von der Uhr abgezogen, vorher waren es zwei.
- ITM: In the Money. Ab hier ist jedem Spieler ein Preisgeld sicher.
- Final Table: Der letzte Tisch, meist mit 8 bis 10 Spielern. Hier liegen die großen Preisgeldsprünge.
Fallen zwei Spieler in derselben Hand aus, belegt der Spieler mit dem größeren Stack zu Beginn der Hand den besseren Platz.
Deals und ICM
Am Final Table können sich die verbliebenen Spieler einigen, das restliche Preisgeld aufzuteilen. Ein Deal ist freiwillig, alle müssen zustimmen, und die Turnierleitung muss ihn genehmigen. Häufig bleibt ein Teil des Geldes und die Trophäe im Spiel.
Zwei Methoden sind verbreitet:
- Chip Chop: Das Geld wird proportional zu den Chips verteilt. Das bevorzugt große Stacks stark.
- ICM-Deal: Das Independent Chip Model rechnet aus, wie wahrscheinlich jeder Spieler jede Platzierung erreicht, und gewichtet das mit dem Preisgeld.
Ein Rechenbeispiel aus der englischsprachigen Wikipedia: Drei Spieler halten 50, 30 und 20 Prozent der Chips, es gibt noch 70 für Platz eins und 30 für Platz zwei. Nach ICM ist der Chipleader etwa 45 wert, der zweite etwa 32, der Short Stack etwa 22. Der Chipleader bekommt also deutlich weniger als die Hälfte, obwohl er die Hälfte der Chips hat.
TDA-Regeln: die wichtigsten Punkte
Die Poker Tournament Directors Association ist ein Zusammenschluss von Turnierleitern, der ein einheitliches Regelwerk pflegt. Die aktuelle Fassung trägt die Bezeichnung 2024 Version 1.0. Viele Casinos in Deutschland, Österreich und Tschechien übernehmen die TDA-Regeln ganz oder teilweise und ergänzen sie durch Hausregeln. Die wichtigsten Grundsätze:
- Die Turnierleitung entscheidet: Im Streitfall entscheidet der Floor. Maßstab sind laut TDA das Wohl des Spiels und die Fairness, auch wenn eine Einzelregel wörtlich etwas anderes nahelegt.
- One player to a hand: Jede Hand spielt genau ein Spieler. Tipps von anderen Spielern oder Zuschauern während der Hand, das Besprechen offener Hände und das Kommentieren der Action sind verboten.
- Verbale Ansagen sind bindend: Wer „Call“ oder einen Betrag ansagt, muss das so ausführen.
- String Bets: Wer ohne Ansage erst einen Teil seiner Chips setzt und dann nachlegt, macht einen String Bet. Gewertet wird nur der erste Teil. Die TDA hat die Formulierung dazu 2024 präzisiert.
- Min-Raise: Ein Raise muss mindestens so groß sein wie der letzte Einsatz oder die letzte Erhöhung in der Runde. Ein All-in unter einem vollen Raise öffnet die Setzrunde für Spieler, die schon gehandelt haben, nicht wieder.
- Exposed Cards: Wer seine Karten zeigt, während die Hand noch läuft, kann bestraft werden. Die Hand bleibt aber lebendig.
- Showdown: Sobald ein Spieler all-in ist und keine weiteren Einsätze mehr möglich sind, werden alle Hände sofort aufgedeckt. Ohne All-in zeigt der letzte Aggressor zuerst.
- Am Platz sein: Deine Hand ist nur gültig, wenn du sitzt, wenn die letzte Karte der Startrunde ausgeteilt wird.
- Dead Button: Im Turnier wird mit Dead Button gespielt. Scheidet ein Spieler aus, kann der Button auf einem leeren Platz liegen bleiben, damit niemand Blinds überspringt.
- Elektronische Geräte: Seit 2024 dürfen Handys nicht auf dem Tisch liegen, Spieler in einer laufenden Hand dürfen keine Geräte bedienen, und Strategiehilfen am Tisch sind verboten.
- Erkennbarkeit: Spieler müssen jederzeit identifizierbar sein. Die Turnierleitung kann verlangen, Kapuze oder Sonnenbrille abzulegen.
Turnierformate
Neben dem klassischen Freezeout gibt es viele Varianten: Bounty- und PKO-Turniere mit Kopfgeld für jeden ausgeschalteten Gegner, Mystery Bounty mit verdeckten Kopfgeldern, Satellites, bei denen Tickets für größere Turniere ausgespielt werden, und Turbos mit kurzen Levels. Alle Begriffe erklären wir im Lexikon.
Vor deinem ersten Live-Turnier
- Lies die Ausschreibung: Buy-in, Startstack, Levellänge, Late Registration, Re-entry.
- Nimm einen Ausweis mit. Casinos in Deutschland und Österreich kontrollieren am Eingang.
- Setz dir ein Budget für alle Buy-ins und Re-entries zusammen, bevor du anreist.
Wer um Geld spielt, sollte die Rechtslage kennen, siehe Ist Online-Poker in Deutschland legal?, und auf seine Limits achten: Verantwortungsvoll spielen. Alle weiteren Regeln findest du im Regel-Hub.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Re-entry und Rebuy?
Beim Rebuy kaufst du nach dem Ausscheiden am selben Platz neue Chips nach. Beim Re-entry registrierst du dich neu, bekommst einen neuen, zufällig gezogenen Platz und den vollen Startstack. Welche Variante gilt und wie oft, steht in der Turnierausschreibung.
Was bedeutet ITM?
ITM steht für In the Money. Ein Spieler ist ITM, sobald er die Preisgeldränge erreicht hat und sicher mindestens den Mindestgewinn bekommt.
Was ist ein ICM-Deal?
Bei einem Deal einigen sich die verbliebenen Spieler, das restliche Preisgeld aufzuteilen. Beim ICM-Deal wird jeder Chipstand mit dem Independent Chip Model in einen Geldwert umgerechnet. Deals sind freiwillig, und die Turnierleitung muss zustimmen.
Was passiert, wenn ich bei Spielbeginn nicht am Platz bin?
Du bekommst trotzdem Karten, und deine Blinds werden abgezogen. Nach den TDA-Regeln brauchst du eine lebende Hand nur, wenn du beim Austeilen der letzten Karte an deinem Platz sitzt. Andernfalls wird deine Hand tot.
Darf ich am Turniertisch mein Handy benutzen?
Laut den TDA-Regeln von 2024 darfst du während einer laufenden Hand keine elektronischen Geräte bedienen, Handys gehören nicht auf den Tisch, und Strategiehilfen sind am Tisch verboten. Die Hausregeln können strenger sein.
Quellen
- Poker TDA Rules (Version 2015, Volltext), Poker Tournament Directors Association / homepokertourney.orgPrimärquelle
- Poker TDA Releases Updated Rules in 2024 Edition, SoMuchPoker
- Independent Chip Model, Wikipedia (en)
- Robert's Rules of Poker (Version 13), Robert Ciaffone / Poker MavensPrimärquelle
Stand 18.10.2026. Recherche mit KI-Unterstützung, redaktionell geprüft. So arbeiten wir · Fehler melden