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♣ Lexikon

ICM

ICM steht für Independent Chip Model. Das Modell rechnet Turnierchips in einen Geldwert um, abhängig von den Stacks aller Spieler und der Preisgeldverteilung. Es ist die Grundlage für die meisten Deals am Final Table.

Stand 18.10.2026

Was ICM bedeutet

Im Cash Game ist ein Chip genau so viel wert wie der Betrag, der auf ihm steht. Im Turnier ist das anders. Wer alle Chips gewinnt, bekommt trotzdem nur das Preisgeld für Platz eins und nicht den ganzen Preispool. Deshalb verlieren zusätzliche Chips an Wert, je mehr du schon hast, und deine letzten Chips sind besonders wertvoll, weil sie dich im Turnier halten. Das Independent Chip Model, kurz ICM, macht diesen Effekt berechenbar.

Woher das Modell kommt

Laut der englischsprachigen Wikipedia geht die Methode auf eine Arbeit des Statistikers David Harville von 1973 zurück, die sich mit Pferdewetten beschäftigte. Mason Malmuth übertrug den Ansatz 1987 unabhängig davon auf Poker. Deshalb heißt das Verfahren auch Malmuth-Harville-Methode.

So rechnet ICM

Das Modell geht davon aus, dass alle Spieler gleich gut sind. Unter dieser Annahme entspricht die Chance auf Platz eins genau dem Anteil an allen Chips. Hast du 30 Prozent der Chips, gewinnst du in 30 Prozent der Fälle. Für Platz zwei wird dieselbe Logik auf die übrigen Spieler angewendet, als hätte der Sieger den Tisch schon verlassen, und so weiter für alle Plätze. Jede mögliche Reihenfolge bekommt so eine Wahrscheinlichkeit. Multipliziert mit den Preisgeldern ergibt das den erwarteten Geldwert jedes Stacks.

Ein Rechenbeispiel

Die Wikipedia nennt ein einfaches Beispiel: Drei Spieler halten 50, 30 und 20 Prozent der Chips. Es gibt noch 70 für Platz eins und 30 für Platz zwei, Platz drei geht leer aus. Nach ICM ist der Chipleader etwa 45 wert, der mittlere Stack etwa 32 und der Short Stack etwa 22.

Spannend ist der Vergleich mit einer Aufteilung nach Chips, dem Chip Chop. Dort bekäme der Chipleader 50, der mittlere Stack 30 und der Short Stack 20. ICM verschiebt also Geld vom großen zu den kleinen Stacks. Der Grund: Selbst der Short Stack hat eine reale Chance, noch Zweiter zu werden, und Platz zwei bringt in diesem Beispiel 30.

Wo ICM im Turnier eine Rolle spielt

Deals am Final Table: Wenn sich die letzten Spieler auf eine Aufteilung des Preisgelds einigen, ist ICM die gängige Grundlage. In Turnierberichten liest du dann von einem „ICM-Deal“. Oft bleibt ein Teil des Geldes im Spiel, damit der Sieger noch etwas mehr bekommt.

Bubble und Pay-Jumps: Kurz vor dem Geld oder vor großen Preissprüngen am Final Table sorgt ICM dafür, dass ein Call mit einer guten Hand trotzdem falsch sein kann. Wer ausscheidet, verliert seinen kompletten Geldwert. Wer verdoppelt, gewinnt weniger dazu. Mittlere Stacks spielen deshalb oft vorsichtiger, während der Chipleader Druck machen kann.

Satellites: In Satellites, in denen mehrere gleichwertige Tickets ausgespielt werden, ist der ICM-Effekt am stärksten. Hat ein Spieler sein Ticket praktisch sicher, bringen ihm weitere Chips fast nichts mehr.

Grenzen des Modells

ICM ignoriert Spielstärke, Sitzposition und die Höhe der Blinds. Ein starker Spieler mit einem großen Stack ist real mehr wert, als das Modell sagt. Neuere Ansätze ergänzen deshalb Simulationen künftiger Hände. Für einen fairen Deal unter Spielern gilt ICM trotzdem als Standard, weil es nachvollziehbar und für alle gleich ist.

Wie Deals und Final Tables ablaufen, erklären wir bei den Turnierregeln. Weitere Begriffe findest du im Lexikon.

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